Thursday, March 30, 2006

Bang & Olufsen - Serene

Bang & Olufsen Serene

Bang & Olufsen haben zusammen mit Samsung das erste Mobiltelefon entwickelt. Herausgekommen ist ein „Werk“, dass vor Design, Noblesse und Einfallsreichtum nur so strotzt.



Bereits im Prospekt steht, das B&O mit dem Serene in jeder Hinsicht Konventionen brechen möchte. Nun, dass ist denn Dänen tatsächlich gelungen, vor allem beim Thema Design. Grundsätzlich handelt es sich zwar um ein Klapphandy, doch bereits die quadratische Dimensionen und die geschwungenen Seiten zeigen eindeutig, dass dieses Mobiltelefon fernab jeglicher Handynorm ist. Angesichts der konsequenten Bauweise von B&O überrascht es daher auch nicht, dass kein Außendisplay auf der Frontseite implementiert ist - noch nicht einmal der Firmenschriftzug ist zu sehen. Dieser Umstand sorgt etwas für Verwirrung, denn so sehen Vorder- und Rückseite völlig identisch aus. Zusammengehalten werden die beiden Hartplastik-Schalen mit transparenter Lackierung durch ein Aluminium-Drehgelenk, auf dem sich die beiden Hersteller dezent verewigt haben. Apropos Drehgelenk. B&O hat den wohl aufwändigsten und coolsten Motor eingebaut, der für ein automatisches Öffnen und Schließen sorgt. Einfach kurz antippen und schon geht das Gehäuse von einem „sexy“ Surren begleitet und langsam und verdammt elegant auseinander – das muss man erlebt haben!

Im offenen Zustand kommen die nächsten faustdicken Überraschungen zutage. So liegt das Display auf der Unterseite, also unterhalb der Tastatur. Grund: Laut B&O hätten Untersuchungen ergeben, dass auf diese Weise das Gerät besser in der Hand liegt. Die Tastatur selbst ist – wie sollte es auch anders sein – nicht reihenweise, sondern kreisförmig angeordnet. Statt Steuertasten komplettiert ein großes Steuerrad das exotische Äußere. Das muss man erst einmal sacken lassen...

Die Verarbeitung bietet hingegen keinerlei Überraschungen: Das Serene besticht durch ausgewählte Materialen, die allesamt präzise verarbeitet wurden. Unschön nur, dass der Slot für das Netzteil keine Abdeckung hat.

Bei der Ausstattung gingen die Dänen ebenfalls ihren eigenen Weg. Das fängt bereits beim hochauflösenden Display an: Statt bunter Bilder gibt es lediglich die Farben Schwarz und Blau in einem minimalistischen Layout zu sehen. Farbe kommt erst dann ins Spiel, sobald man die VGA-Kamera aktiviert, die gut versteckt im Scharnier versteckt ist. Übrigens: Eigene Schnappschüsse als Hintergrundbilder zu verwenden, ist nicht möglich. Auch der Sound ist konsequenterweise absolut konträr zum heutigen „Crazy Frog“-Chartallerlei. Die eigenes für das Serene „komponierten“ Töne imitieren die drei Elemente Holz, Stahl, Bronze in Form von spartanischen Tonfolgen-Intervalle, die dank eines superben Soundchips glasklar klingen.

Das Komfortpaket beschränkt sich auf das was für B&O-Maßstäbe notwendig ist: Ein feines Organizer-Paket, Bluetooth, Diktiergerät, E-Mail-Client, ein Diktiergerät, rund 17 MB Speicherplatz sowie (Überraschung) individuelle SMS-Ordner – that’s it! Jeglicher „Schnickschnack“ wie Java-Games oder ein MP3-Player wurden komplett über Bord geworfen. Okay, damit kann man gut leben, aber dennoch wäre eine Freisprecheinrichtung und Situationsprofile auch bei diesem Exoten sinnvoll gewesen.

Als Entschädigung gibt es dafür das wohl extravaganteste Ladegerät, das gleichzeitig auch eine Art Docking Station ist, denn dadurch liegt das Serene geradezu majestätisch auf dem Schreibtisch. Genial: Man kann das Handy so programmieren, dass es sich automatisch Öffnet, sobald ein Anruf oder eine Mitteilung eingeht – das hat was! Außerdem stellt es automatisch – falls vorhanden – Verbindung zum B&O-Schnurlos-Telefon her, um auf das gemeinsame Telefonbuch zurückzugreifen – automatisches Updaten inklusive.

Die Aufmachung des Menüs ist zwar spartanisch, dafür aber umso übersichtlicher, so dass man schnell den Durchblick hat. Das Navigieren selbst gelingt dank der präzisen Funktionalität der Drehscheibe und den darin integrierten Steuertasten äußerst flott. Überhaupt weisen alle Tasten einen klaren Druckpunkt auf und Befehle werden stets in Windeseile umgesetzt. Trotz dieser guten Voraussetzungen muss man mit diesem Mobiltelefon erst einmal warm werden. Das betrifft vor allem die ungewohnte Anordnung der Tasten, durch die SMS-Nachrichten-Schreiben einen längeren Umdenkprozess erforderlich macht.

Dass das Display unterhalb der Tastatur liegt, ist bereits nach kurzer Eingewöhnung hingegen überhaupt kein Problem. Im Übrigen muss man einfach nur lange die C-Taste drücken, damit sich das Display um 180 Grad dreht – leider stellt sich das Display aber bei jedem Schließen wieder in den Ursprungszustand zurück.
Ein berechtigter Kritikpunkt ist aber die seitliche Platzierung der Kameralinse. Klar, so stört es nicht das optische Gesamtkonzept, aber dadurch kann man nur mit Armakrobatik ein Foto knipsen und es gleichzeitig auf dem Display sehen. Wäre es nicht sinnvoller und konsequenter gewesen, überhaupt keine Kamera einzubauen?

Der recht dicke Akku sorgt für eine Rufbereitschaft von fünf bis sechs Tagen und gehört somit zur Oberklasse seiner Zunft. Bei der Empfangsleistung hingegen hinkt das B&O-Gerät klar aktuellen Handymodellen hinterher. Sowohl im D- als auch im E-Netz sinkt die Signalstärke im wahrsten Sinne des Wortes schnell in den roten Bereich, sobald die Netzabdeckung schwächer wird. Die Sprachqualität selbst ist recht klar und natürlich, allerdings kann auch das B&O/Samsung-Tandem ein leichtes Rauschen und Knistern im Hintergrund nicht vermeiden.

Fazit
Innovativ, provokativ, minimalistisch, eigenwillig und vor allem teuer – ein typisches Bang & Olufsen-Handy also.

Eckdaten Bang & Olufsen Serene

Hersteller: Bang & Olufsen
Preis ohne Vertrag: ca. 1.099 Euro
Maße: 6,5 x 7,0 x 2,4 cm
Gewicht: 118 Gramm
Rufbereitschaft: ca. 130 Std.
Ausstattung

Netze Triband | Display TFT, Farbpalette 262.144, Auflösung 240 x 320 Pixel | Bluetooth-Schnittstelle | Digitalkamera Auflösung max. 640 x 480 Pixel | Diktiergerät | Kalender/Terminerinnerung | Ruftöne, Anzahl der Stimmen 64 | Taschenrechner/Währungsrechner +/+ | Datenspeicher ca. 16,5 MB | Rufnummern 1.000 | SMS-Nachrichten 200 | E-Mail-Client | Docking Station

Stärken

Intuitive Handhabung | Vollautomatischer Schließmechanismus | Top-Verarbeitung

Schwächen

Ungünstig platzierte Kameralinse | Kein Außendisplay | Ausstattungslücken


Quelle: mobile zeit 29.03.2006

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